Hochalpine Skitour auf einen der höchsten Stubaier Skigipfel.
Nach unserer Tour auf den Vorderen Wilden Turm und das Wilde Hinterbergl am Tag zuvor, möchten Thomas und ich eine weitere schöne Skitour im Bereich der Franz-Senn-Hütte machen. Aufgrund des Wetterberichts entscheiden wir uns für einen sehr frühen Start. Es ist ein strahlend sonniger Tag vorhergesagt, jedoch mit sehr hohen Temperaturen, weshalb wir noch am Vormittag wieder abfahren möchten.
So entscheiden wir uns für ein sehr frühes Frühstück und stehen bereits um 4:30 Uhr auf Ski. Ein paar Minuten später gleiten wir in der hart gefrorenen Spur in Richtung Alpeiner Ferner. Im Schein der Stirnlampe kommen wir gut voran und um 6 Uhr ist es bereits so hell, dass wir die Lampen einpacken können. Noch ist es etwas bewölkt und so bleibt uns ein spektakulärer Sonnenaufgang an diesem Tag verwehrt.
Wir überwinden eine kurze Steilstufe, bevor wir die Gebetsfahnen erreichen, welche etwa auf 2400 m Höhe an einem markanten Punkt aufgestellt sind. Wir ziehen direkt weiter und als erste Seilschaft haben wir den gesamten Anstieg für uns alleine. Noch ist weit und breit niemand zu sehen.
Wir erreichen den Gletscherbruch des Alpeiner Ferners und entscheiden uns für eine eher etwas direkte Linie. Um 6:30 Uhr haben wir die Steilstufe bereits fast überwunden, als die ersten Sonnenstrahlen das Schrandele in goldenes Licht tauchen. Angeseilt erreichen wir das flache Plateau des Alpeiner Ferners. Nun folgt eine weite Traverse im langen Rechtsbogen. Bei guter Routenwahl ist die Spaltensturzgefahr überschaubar und trotzdem sind wir froh, dass wir in den kühlen Morgenstunden vom gefrorenen Untergrund profitieren. Wir kommen zügig voran und ziehen ohne weitere Umschweife hinauf in Richtung Obere Hölltalscharte.


Wir erreichen die Scharte kurz nach 8 Uhr und genießen den nun freien Blick in Richtung des Hauptkamms mit den bekannten Stubaier Gipfeln rund um Zuckerhütl, Wilder Freiger, Wilder Pfaff und Co.

Von nun an geht es zu Fuß weiter und wir schnallen die Steigeisen an die Skistiefel, denn es ist zwar phasenweise guter Trittschnee, jedoch insgesamt auch hier sehr wenig Schnee und so weichen wir doch recht oft in den Fels aus.

Der Grat wirkt von hier aus endlos, jedoch wissen wir, dass die technischen Schwierigkeiten sich in Grenzen halten. Nach ein paar Metern am Grat übernimmt Thomas die Spurarbeit, denn von einer Begehung am Tag zuvor ist dank des Windes nichts mehr zu sehen. Teilweise knietief spuren wir auf der Gratschneide im einigermaßen kompakten Schnee hinüber in Richtung Gipfelaufschwung.

Stellenweise wird der Grat schmal und ausgesetzt, doch die Schneelage ist ausreichend, sodass man immer einen guten Halt findet.
Ohne Stress – wir sind ja die einzigen – spuren wir hinauf in Richtung Gipfelaufbau, den wir gegen 9:30 Uhr erreichen. Wir finden perfekte, fotogene Abschnitte und so lässt Thomas die Kamera auf Hochtouren arbeiten. Das hält den Puls tief und erlaubt es uns, ganz entspannt und locker um kurz vor 10 Uhr den Gipfel zu erreichen.

Wir genießen einen phantastischen Vormittag auf knapp 3500 Metern Höhe. Rundherum verschneite Berggipfel und wenig Zivilisation zu sehen, lediglich die Liftanlagen des Stubaier Gletschers sind bei genauem Hinsehen zu erkennen. Es ist angenehm warm und windstill und so sitzen wir rund eine Stunde am Gipfel.



Auf dem Alpeiner Ferner können wir bald schon die erste Seilschaft ausmachen, die unserer Spur in Richtung Oberer Hölltalscharte folgt. Schon bald folgen weitere Gruppen – das gute Wetter an einem Freitag im März scheint wohl nicht nur Gäste von der Franz-Senn-Hütte anzulocken.
Wir zählen ganze 32 Personen auf dem Weg und machen uns darauf auf den Abstieg, denn wir möchten ungern mit allen am Grat auf Körperkontakt gehen müssen.


Auch von der Südseite spuren einige Skitourengeher hinauf und die Flanke sieht im oberen Teil perfekt aus. Das wäre sicher auch eine tolle Firnabfahrt! Kurzzeitig überlegen wir, ob es ein sinnvolles Szenario gäbe, hier abzufahren. Die lange Abfahrt ins Tal wäre sicher im oberen Teil spektakulär, jedoch müssten wir sicher im unteren Teil ab etwa 2000 m die Ski tragen. Dazu kommt, dass ein Teil unseres Gepäcks auf der Franz-Senn-Hütte liegt.
Wir verwerfen den Gedanken und fassen die Südflanke für einen schneereichen Winter ins Auge, wenn die Abfahrt bis in die Wilde Grube möglich ist. Nochmals machen wir einige spektakuläre Bilder am Grat in Richtung Obere Hölltalscharte. Kurz vor dieser passiert uns dann die erste Seilschaft auf dem Weg zum Gipfel. Wir wünschen einen guten Aufstieg, freuen uns jedoch, dass wir ob der hohen Temperatur schon auf dem Abstieg sind. Noch vor 12 Uhr schnallen wir an und sind wenige Minuten später bereits am Gletscherbruch angekommen. Das Gletscherplateau haben wir einfach in Schussfahrt überquert und so reicht der Schwung bis zur Kante.
Nun folgt die erste und einzig wirklich spektakulär gute Abfahrt des Tages. In der Steilstufe können wir im unverspurten Bereich auf orthografisch rechter Seite eine „First Line“ setzen und genießen das Schwingen im schönen – nordseitig einigermaßen konservierten – Powder in vollen Zügen.
12:15 Uhr stehen wir bereits im Talboden und nehmen den Schwung bis zu den Gebetsfahnen mit. Ein weiterer kurzer steilerer Hang mit Stein-Slalom wird mehr oder weniger unfallfrei passiert und schon heißt es: in der prallen Sonne hinaus in Richtung Hütte schieben. Es wird extrem heiß und weich und so sind wir froh, dass wir mit gutem Zeitmanagement diese doch eher lange Tour absolviert haben.

Um kurz vor 13 Uhr stehen bereits zwei alkoholfreie Weißbier auf dem Tisch und wir relaxen in der warmen Sonne vor der Franz-Senn-Hütte. Was für ein wunderschöner Nachmittag im März. Wäre es doch noch ein bisschen mehr Schnee, dann könnte man hier wohl eine Woche lang Skitouren gehen, ohne, dass es langweilig werden würde.
Gegen 15:40 Uhr schnallen wir dann die Ski an und machen uns auf die Talabfahrt. Gut gestärkt durch das leckere Essen fahren wir gemütlich hinab, auch wenn die Talabfahrt mehr aus Rutschen, Ausweichen von Bäumen und Tourengehern, Querfahrten, Ziehwegfahrten und Ski tragen besteht. Wir nehmen es, wie es ist und freuen uns, dass wir von der Oberissalm die vier Kilometer zum Parkplatz in Seduck nicht laufen müssen, sondern bequem auf gewalzter Spur per Ski fahren können.
Skibergsteigen ist und bleibt doch einfach die schönste Art des Bergsteigens denke ich mir und anschließend sitzen Thomas und ich noch mit Miao und Chris zusammen in Innsbruck beim Essen, bevor es für mich ins Sellrain weiter geht.
Facts zur Tour
Fazit
Die Ruderhofspitze ist einer anspruchsvolle Skihochtour, die den gesamten Skibergsteiger fordert. Die Lawinengefahr ist nur an einzelnen Stellen gegeben – insbesondere der Steilhang am Alpeiner Ferner muss aufgrund der nordseitigen Ausrichtung geprüft werden. Die Spaltensturzgefahr ist eher gering, jedoch ist ein Seil im Anstieg unerlässlich. Ein früher Aufbruch (aufgrund der Länge der Tour) und eine überlegte Routenwahl sind hier wichtig. Am Grat ist Vorsicht geboten, jedoch ist die Ausgesetztheit meistens weniger, als der erste Eindruck vermuten lässt. Die Franz-Senn-Hütte ist ein idealer Skitouren-Stützpunkt!