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EISKÖGELE (3233m)

Landschaftlich tolle Skitour im Hochwinter im Rotmoostal oberhalb von Obergurgl.

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Eher bescheidene Schneeverhältnisse Mitte Dezember machen es Jana und mir durchaus nicht leicht, in unserem vorweihnachtlichen Aufenthalt im Ötztal die richtigen Touren zu treffen. Kaum Schnee unterhalb von 1400m, noch zu wenig Schneeüberdeckung auf den höhergelegenen Gletschern und die trotz wenig Schnee nicht ganz einfache Lawinensituation schränken einige Touren ein.

Die ersten Meter der Tour geht man auf der morgendlich hart gefrorenen Piste in Obergurgl

Nachdem sich das Altschneeproblem, welches seit Anfang Dezember in Tirol die Warnstufe einige Zeit auf Stufe 3 gehalten hat, durch die Setzung der Schneedecke auch auf den Nordseiten reduziert hat, sehen wir gute Chancen, am Eiskögele ein bisschen Pulver „abzustauben“. 

An der Schönwieshütte verlassen wir den gespurten Ziehweg und machen uns auf in Richtung Rotmoostal

Wir starten morgens in Obergurgl, als die ersten Skifahrer vor Liftöffnung gerade aus den Häusern kommen, auf der Piste in Richtung Schönwieshütte. Auf den ersten Höhenmetern gilt es, möglichst keinem Skifahrer in die Quere zu kommen und möglichst schnell am Rand des Skigebiets auf den präparierten Ziehweg in Richtung Rotmoostal zu kommen.

Erste Sonnenstrahlen beim Einstieg ins Rotmoostal
Das Rotmoostal ist im Hochwinter ohne Sonneneinstrahlung ein echter Eisschrank, rechts der Anstieg über die erste Steilstufe
Kurzer Kontakt mit der Sonne bevor wir nach rechts in Richtung Eiskögele abzweigen

Schon bald stellen wir fest, dass das anhaltend gute Wetter und die passablen Bedingungen sich herumgesprochen haben – wir sind nicht allein an diesem Tag. Während ein paar Tourengänger auch in Richtung Vorderer Seelenkogel ziehen, richtet sich unser Fokus bald schon auf den ersten Steilaufschwung unweit des „Hangerer“, welchen wir gleich hinauf ziehen. Das Rotmoostal liegt malerisch unter uns, als wir die Spitzkehren auf dem Steilhang in Richtung des Hochtals hinaufziehen, in dem der Hangererferner liegt.

Rückblick zur Schönwieshütte

Ein paar kurze Prüfungen der Schneedecke lassen uns beruhigt aufsteigen: keine Setzungsgeräusche, keine Wummgeräusche und keine Rissbildung – wie schon angenommen, ist heute die Lage auch nordseitig gut. Trotzdem lassen wir gute 15 Meter Entlastungsabstand – man muss es ja nicht herausfordern. 

Nach der ersten Steilstufe, links gut sichtbar ein paar mögliche Abfahrtsvarianten abseits
Traumhaftes Wetter an diesem Tag Mitte Dezember im Ötztal

Nach dem Ausstieg aus dem Steilgelände öffnet sich der Blick in Richtung unseres heutigen Ziels: dem Eiskögele. In schönem Aufstiegsgelände geht es leicht kupiert immer weiter aufwärts und auf etwa 2900m betreten wir den Hangererferner, der bis auf ein paar wenige Spalten eher ein Ganzjahreseisfeld ist. Die Schneeüberdeckung auf dem Gletscher ist aber trotz dem sehr frühen Zeitpunkt in der Saison sehr gut – den ergiebigen Schneefällen am ersten Advents-Wochenende sei Dank! Anseilen ist hier also nicht notwendig und so steigen wir weiter im Schatten – denn Sonne gibt es auf dieser Tour erst kurz vor dem Gipfel – das immer steiler werdende Gletscherfeld hinauf bis hin zum Skidepot.

Das Ziel erstmalig im Blick und verheißungsvoller Schnee auf dem Hangererferner
Bestes Skigelände am Eiskögele
Ein schattiger und kalter Wintertraum

Nachdem die Ski deponiert sind, steigen wir an ein paar freundlich einladenden Drahtseilen und Trittstufen über den ersten Felsaufschwung hinauf in Richtung Grat. Sollten die Drahtseile bei hoher Schneelage verdeckt sein, so bietet sich auch eine Rinne weiter links an, welche ebenfalls zu Fuß begangen werden kann.

Kurz oberhalb vom Skidepot an den Drahtseilen

Nach ein paar Kletterzügen stehen wir auf dem Grat zwischen Hangerer und Eiskögele. Das erste Mal an diesem Tag – mit Ausnahme von ein paar Momenten an der Schönwieshütte – stehen wir in der Sonne und unsere kalten Finger freuen sich über diese willkommene Erwärmung. Dort finden wir eine solide Spur vor, welche wir dankend nehmen. Aufgrund des grandiosen Wetters machen wir gleich ein paar Fotos und genießen das tolle Panorama in Richtung Gurgler Hauptkamm. Von der Scharte geht es zunächst in leichter Stapferei einen Firnhang hinauf, aufgrund des frühen Zeitpunkts in der Saison immer durchsetzt von Felsen, bevor wir dann den letzten Gratabschnitt in Richtung Gipfel des Eiskögeles erreichen.

Gute Bedingungen am Verbindungsgrat zwischen Hangerer und Eiskögele

Auf Pickel und Steigeisen haben wir an diesem Tag verzichtet, denn wir finden gute Schneeverhältnisse vor und trauen uns den kurzen, aber doch recht ausgesetzten Grat auch so zu. Mit ein paar präzisen Bewegungen arbeiten wir uns hinüber bis zum Gipfel. An ein paar Stellen ist bei Vereisung hier Vorsicht geboten – sichere Klettertechnik in Skitourenstiefeln ist obligatorisch.

Geräumiges Gipfelplateau, gute Aussicht inklusive

An diesem Tag haben wir den Grat und den Gipfel für uns alleine und so genießen wir den überraschend geräumigen Gipfel mit einem tollen Gipfelkreuz in vollen Zügen. Die Sonne erlaubt uns auch, die Handschuhe für ein paar Minuten auszuziehen. Viele Fotos und Videos entstehen und wir beobachten auch wie eine weitere Gruppe am benachbarten Vorderen Seelenkogel in den östlichen Hangererferner einfährt. Wir sehen mit Freude die Schwünge der Tourengeher und freuen uns schon auf den uns bevorstehenden Abfahrtsspaß.

Die gesamte Pracht der Stubaier und Ötztaler Alpen
Ausblick auf Firmisanschneide und Schalfkogel

Nach ein paar Minuten machen wir uns auf den Rückweg zum Skidepot. Die Kletterei am Grat erfordert nochmal ein wenig Konzentration und Geschick. Wir kraxeln von oben wieder in die Passage mit den Drahtseilen und kommen kurze Zeit später wieder am Skidepot an. Glücklicherweise lässt sich der Schnee dort ein wenig treten, sodass wir die Ski einigermaßen bequem anziehen können.

Perfekte Skibedingungen am Hangererferner

Jetzt beginnt der Teil, auf den wir uns den ganzen letzten Teil im Anstieg gefreut haben. Eine genussvolle Pulverabfahrt ins Tal? Schwer vorstellbar in diesem bisher schneearmen Winter und bei kaum nennenswertem Neuschnee seit dem zweiten Advent. Doch tatsächlich hat sich im schattigen Kar auf dem Hangererferner der Schnee super konserviert. Zu dieser Jahreszeit fällt hier zu keinem Zeitpunkt am Tag Sonne hinein und so schwingen wir mit viel Spaß hinunter.

Großer Abfahrtsspaß und das trotz dürftiger Schneelage – es könnte nicht besser sein!

Ein paar Hänge später stehen wir an der Einfahrt in den Steilhang hinab ins Rotmoostal. Aufgrund des immer noch ein wenig vorhandenen Altschneeproblems fahren wir den Hang jeweils an den flachsten Stellen und mit viel Abstand hinunter. Ein paar Pulverschwünge gehen sich noch aus und mit viel Tempo geht es dann hinaus in Richtung Schönwieshütte. Jetzt heißt es ein paar hundert Meter schieben und schon bald gleiten wir auf der Piste hinaus in Richtung Obergurgl.

Nach ein paar Höhenmetern Abfahrt auf der Piste schwingen wir an der Bushaltestelle ab und fahren mit dem ÖV wieder zurück zu unserem eigenen Bus, wo Kaffee und Snacks warten.


Fazit

Das Eiskögele ist eine landschaftlich traumhafte Skitour, welche bei ausreichender Schneelage den ganzen Winter begangen werden kann. Bei großer Kälte im Hochwinter ist es durch die nordseitige Exposition bitterkalt, dann ist die Tour sicher weniger reizvoll. Bei unsicherer Lawinenlage kann der erste Hang vom Rotmoostal aus problematisch sein (Stellen bis 35°). Auf der Abfahrt können schöne Varianten links und rechts der oft verspurten Hänge gefahren werden, beispielsweise im letzten Hang vor dem Rotmoostal kann mit einer Querfahrt nach links traversiert werden. Dort findet man oft noch unverspurten Pulver.

Ein Gedanke zu „EISKÖGELE (3233m)“

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