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GIMPEL SÜDOSTKAMIN

Spaßige Mehrseillängen-Route an einem der bekanntesten Tannheimer Kletterberge.

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Nachdem ich innert eines Jahres bereits zwei Mal verschiedene Routen am Gimpel geklettert bin (siehe GIMPEL (2173m)), soll es dieses Mal der Südostkamin sein. Die Alte Südwand und die Südostwand kenne ich bereits und die ersten Seillängen im Südostkamin sind identisch mit der Südostwand und so ist mir der Einstieg durchaus bekannt.

Das Gimpelkar mit zahlreichen Kletterrouten in der Süd- und Südostwand des Gimpels

Jana und ich verbringen ein paar Tage im Tannheimer Tal und so nutzen wir das einzige Schönwetterfenster in vier Tagen für eine schöne Mehrseillängen-Route. Der Zustieg zum Gimpelhaus geht gewohnt flott „von den Füßen“ und wir deponieren dort ein paar Sachen für die Übernachtung. Weiter geht es hinauf ins Gimpelkar und zum Einstieg der Südostwand. Der Einstieg befindet sich rechts einer schwarzen Gedenktafel in einer kleinen Nische, in der man ein bisschen Platz findet, um die Kletterschuhe anzuziehen und anzuseilen. Wir steigen als eine von mehreren Seilschaften ein, denn trotz des unbeständigen Wetters an diesem langen Wochenende Ende Mai sind doch einige Kletterer in der Wand.

Wenig Restschnee im Gimpelkar: der schneearme Winter und das warme Frühjahr haben schon fast alles schmelzen lassen

Die erste Seillänge finde ich auch ohne Topo, die silbernen Klebehaken lotsen im III. Grad geradewegs zum ersten Stand, der nach 45 m erreicht wird. Da die ersten vier Seillängen identisch sind zur Südostwand, kenne ich das Terrain noch recht gut. Am ersten Stand ist Warten angesagt, denn eine Dreierseilschaft seilt soeben vom zweiten Stand herunter zum ersten. Diese Art des Rückzugs ist natürlich nicht die einfachste Art, wenn es auch einen Fußabstieg vom Gipfel gibt. Wie sich herausstellt sind Turnschuhe und keinerlei alpine Klettererfahrung dann doch keine gute Kombination – auch wenn man in der Südostwand nur max. III+ klettern muss.

Freude auch im Nachstieg, denn ab und zu ist es ganz schön, nicht am scharfen Seilende zu klettern
Typisches Kalkgebrösel: Gras und Felsen wechseln sich ab

Wir lassen die drei passieren und steigen anschließend schnell auf zum zweiten Stand. Die ersten vier Seillängen haben allesamt 45 m und entsprechend dem Schwierigkeitsgrad nicht allzu viele Haken. Subjektiv war die Absicherung aber ausreichend, denn man klettert nie schwerer als III+. Bis hier klettern wir überschlagend, das spart nicht nur Zeit, sondern ist auch insgesamt flüssiger und in diesem Schwierigkeitsgrad auch kein Kraftproblem.

Angenehmes Kletterwetter: nicht zu heiß und nicht zu kalt
Einstieg in die fünfte Seillänge: jetzt im vierten Schwierigkeitsgrad
Aussicht in Richtung Lechtaler Alpen

Am vierten Stand angekommen, verzweigen sich dann die Routen und wir schließen zu einer internationalen Seilschaft (deutsch / amerikanisch) auf. Kurz gewartet und den denglischen Kommandos gelauscht und schon geht es auch für uns in die fünfte Seillänge. Ich steige vor und Jana sichert mich zunächst in einem kurzen und wenig schwierigen Quergang, bevor es dann in den ersten Kamin geht, der der Route ihren Namen gibt. Ab hier sind die Schwierigkeiten durchgängig im IV. Grad und auch die Hakendichte nimmt spürbar zu. Hier und da kann man mit einem Friend (.75-2) noch nachbessern, aber im Großen und Ganzen ist die Absicherung wie üblich in den Tannheimern modern und ausreichend. Zwei Friends lege ich dann doch als es in der sechsten Seillänge dann etwas ausgesetzt im Spreizschritt einen nassen Kamin hinauf geht.

Ein wenig Spreiztechnik ist gefragt in der sechsten Seillänge
Nie allzu schwer, aber immer mit etwas Luft unter den Füßen geht es hinauf

Die letzten beiden Seillängen sind dann wieder von der aussichtsreichen und spaßigen Sorte und wie immer lohnt am Gimpel ein Blick nach hinten, um das schöne Panorama in Richtung Wetterstein und Lechtal zu genießen. Wir klettern im schönen Kalk, der hier auch wenig brüchig ist, hinauf bis auf den Grat, welcher vom Gipfel in Richtung Osten herunterzieht. Dort angekommen wechseln wir schnell das Schuhwerk und steigen in den bequemen Trailrunnern hinauf bis auf den Gipfel des Gimpel (2173m). Wieder liegt eine tolle Mehrseillängen-Route am Gimpel hinter uns und wir genießen die wunderschöne Aussicht. Das Panorama reicht vom Allgäuer Hauptkamm über Lechtal und Wetterstein bis zu den Ammergauern hinüber. Welch ein Glück, dass wir einen trockenen Tag erwischt haben im ansonsten eher nasskalten Himmelfahrts-Wochenende.

Blick zur Roten Flüh und weiter hinten in Richtung Allgäuer Hochalpen
Gipfelglück auf dem ersten Kletterberg des Jahres

Wir genießen die wärmende Sonne am Gipfel und stressen uns nicht, denn wir haben eine Nacht auf dem Gimpelhaus reserviert und so genügt es uns, zum Abendessen wieder dort zu sein. Der Abstieg vom Gipfel auf dem Normalweg liegt dann auch schnell hinter uns und nach knapp 45 min kommen wir an der Hütte an, wo wir noch einen Platz auf der Terrasse ergattern, um einen Kaffee zu trinken.


Facts zur Tour

  • Mühen: An sonnigen Wochenenden viel Betrieb, dann größere Wartezeiten
  • Freuden: Tolle Aussicht, überschaubarer Zustieg und meist gute Absicherung
  • Risiken: Bei vielen Seilschaften erhöhte Steinschlaggefahr
  • Aufstieg: 800 hm Zustieg / ca. 2:00 h, 325 m Kletterei / ca. 3:00 h
  • Abstieg: 1000 hm / ca. 1:30 h
  • Exposition: Süd
  • Schwierigkeit: Kletterei bis IV UIAA
  • Charakter der Tour: Alpine Mehrseillängenkletterei
  • Equipment: Kletterausrüstung, 50 m-Doppelseil, 0,75-2er Friends / evtl. Grundsortiment Keile
  • Beste Jahreszeit: Mai-Oktober

Fazit

Der Südostkamin am Gimpel ist eine schöne Mehrseillängen-Route, in der man sich gegenüber den leichteren Varianten im Gebiet langsam steigern kann. Die letzten vier Seillängen sind durchgängig im vierten Grad und erfordern daher durchaus etwas Klettergeschick. Insgesamt ist die Route mit acht Seillängen nicht allzu lang und daher auch als Halbtagestour gut machbar. An sonnigen Tagen im Sommer ist die Route stark frequentiert, da die ersten vier Seillängen auf der Südostwand-Route die leichteste Mehrseillängen-Route am Gimpel sind.

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